Freitag, 10. April 2015

Wo ist sie hin, die Qualität?!

Moin Moin ihr Lieben,

angeregt von ein paar Diskussionen in der letzten Zeit zur Qualität von älteren Abfüllungen im Vergleich zu neueren oder auch den Ersatz von Abfüllungen mit Altersangabe durch NAS möchte ich einfach mal ein paar Gedanken dazu loswerden.

In Bezug auf die Qualität von Whisky sollte man zunächst differenzieren, was man unter Qualität direkt versteht. Es gibt verschiedene Arten, wie sich Qualität ausdrückt und komplett nüchtern, ohne Wertung betrachtet, ist die Qualität von heutigem Whisky auf rein technischer Ebene der Herstellung auf einem Niveau, was deutlich über Abfüllungen aus 70er-, 80er-, 90er-Jahren liegt. Herstellungsprozesse sind so sehr optimiert und die Verfahren bei der Destillation auf einem konstanten, messbaren und wiederholbarem Level, wie nie zuvor. Das ist insgesamt nicht verwunderlich, denn technischer Fortschritt hat auch hier Einzug gehalten. Vielleicht ist aber gerade dieser technische Fortschritt das Problem, dass es keine „Ecken und Kanten“ mehr gibt. Es geht vielmehr um Reproduzierbarkeit von aktuellen Ergebnissen, was nur durch einen hohen Einsatz an Technik machbar ist. Ich würde dies zusammengefasst als objektive Qualität betrachten, welche tatsächlich über Jahre hinweg verbessert wurde.

Aber lassen wir das technische Gefasel außen vor, die ständige Überprüfung von Temperaturen, automatische Regelungen, Anpassungen, Optimierungen, dann kommen wir auf eine Ebene, die ich als subjektive Qualität bezeichnen würde und dort geht es dann um den Geschmack, den Geruch, allgemein die Sensorik. Und hier wird schnell deutlich, dass neuere Abfüllungen oftmals nicht so viel Ausstrahlung haben, wie ältere. Woran das liegt? Auch das ist nicht zu 100% zu beantworten, aber ich würde behaupten, dass es daran liegen mag, dass früher die extreme Betrachtung des Herstellungsprozesses nicht so ausgeprägt, so stilisiert gewesen ist, wie heute. Weniger Perfektionismus, mehr Handwerk, nur so bekommt man auch „Ecken und Kanten“. Und ob Alter oder NAS, das wäre beides vollkommen egal, wenn sich die Brennereien auf alte Traditionen zurückbesinnen würden bzw. könnten. Den Riegel schieben die großen Konzerne vor, bei denen in erster Linie die Zahlen stimmen sollen. Ob dort ein paar Maltheads auf der Strecke bleiben, sorry, aber das ist denen egal. Ob der Talisker 10 Jahre anders schmeckt als vor 20 Jahren, pffft, drauf g’schissen, solange er gekauft wird. Und ob eine Altersangabe einem NAS weichen muss? Dann ist das so, denn statt des Talisker 10 gibt's dann den Skye und der wird, solange es ihn gibt, immer (sehr) gleich schmecken, der Technik sein Dank.

Es gibt natürlich auch heute noch genug Abfüllungen, die super schmecken, darauf will ich auch nicht hinaus, nur hat ein genereller Wandel stattgefunden für den häufig die Brennereien nichts können. Wir sollten die Qualität immer differenziert betrachten, wobei es unumstritten ist, dass der Whisky schmecken muss. Ähnliche Beispiele kennen wir genug z.B. wenn es um Bier geht. Beck’s, Holsten & Co. sind nicht zu vergleichen mit einer Handwerkskunst eines kleinen bayrischen Brauers (verzeiht, es gibt natürlich auch außerhalb Bayerns tolles Bier), der aber auch keine 2,3 Millionen Hektoliter im Jahr produziert. Dafür kann man sicher sein, ein Beck’s überall mit gleichem Geschmack zu bekommen. 
Hier heißt es Masse statt Klasse, wobei ich mir das häufiger anders herum wünschen würde.

Mittwoch, 1. April 2015

Schottland-Krimis von Mara Laue

Hallo ihr Lieben,

vom Goldfinch Verlag habe ich drei Schottlandkrimis von Mara Laue erhalten, die ich euch hier jeweils in einer Kurzkritik vorstellen möchte. Vorab gibt's die Inhaltsangabe, die es auf der Website des Verlags zu finden gibt. Ich möchte mich auf jeden Fall beim Verlag für die Rezensionsexemplare bedanken. Unter http://www.goldfinchverlag.de findet ihr weitere Infos zu den Büchern und könnt diese auch dort direkt bestellen.




Worum geht es bei Singleton Soul?

Ein schlechtgehendes Büro für Privatermittlungen, eine kürzlich erfolgte Scheidung und obendrein ein undurchsichtiger Ex-Söldner als Mieter – Rowan Lockharts Neustart in Edinburgh ist nicht einfach. Da kommt ihr der Brief von Captain Finn Macrae gerade recht, indem er sie mit der Überwachung seiner Frau beauftragt.
Doch bevor Rowan mit ihm Kontakt aufnehmen kann, ist Macrae tot: Selbstmord. Er soll militärische Geheimnisse verraten haben. Obwohl die Beweise für seine Schuld erdrückend sind, beginnt Rowan nachzuforschen und sticht damit in ein Wespennest – mit gefährlichen Folgen.

Die Kritik:

Bei Mara Laues Singleton Soul handelt es sich um einen klassischen Kriminalroman in der Tradition von Agatha Christie u.a. Dazu kommen Elemente einer Spionageerzählung und nebenbei ist außerdem eine Romanze eingeflochten. Die Charaktere sind klar gezeichnet und insbesondere die Protagonistin mit ihrem japanischen Hintergrund kann in ihrer Darstellung überzeugen. Aber auch die Nebencharaktere sind deutlich strukturiert. Die Handlung ist bis zum (nicht unbedingt überraschenden) Ende hin spannend. Dass das Ende auf den letzten 30 Seiten des Romans absehbar ist, ist der Qualität des Romans jedoch nicht abträglich. Insgesamt überzeugt Singleton Soul in vollem Umfang und ist etwas für Fans von klassischen Detektiv-Geschichten. Einziger Wermutstropfen: bei den Schilderungen der schottischen Trinkgewohnheiten könnte der Eindruck entstehen, dass es in Schottland üblich und möglich ist, auch noch mit 3,0 Promille Auto zu fahren.

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Worum geht es bei Dalmore Jazz?

Eine gestohlene Whiskyflasche, eine Leiche und ein dunkles Geheimnis. Der Edinburgher Jazzband »Dalmore Jazz« wurde ihr Glücksbringer gestohlen, eine alte Flasche Dalmore-Whisky. Der Verdacht fällt auf Kyle Saunders, ein besessener Fan aus Amerika. Da die Polizei ihm nichts beweisen kann, engagiert die Band die Privatermittlerin Rowan Lockhart, um die Flasche zu finden.

Kurz darauf wird Kyle Saunders ermordet. Rowan, die längst festgestellt hat, dass die ganze Band etwas verbirgt, gräbt tiefer in deren Vergangenheit und kommt damit jemandem in die Quere, der unter allen Umständen verhindern muss, dass sein Geheimnis entdeckt wird.

Die Kritik:

Während Mara Laues Roman Singleton Soul noch zu begeistern wusste, und einen Vergleich stellt man hier automatisch an, fällt Dalmore Jazz leider deutlich ab und kann nicht direkt überzeugen. Dies liegt zum einen an dem meiner Meinung nach recht weit hergeholten Plot, der zunehmen irreal wirkt, zum anderen an der Protagonistin, die hier in ihrer Perfektion unglaubwürdig wirkt. Rowan Lockhart erweist sich zu sehr als ein „Superweib“, das alles kann, alles weiß und jedem überlegen ist. Es wird eine gewisse Arroganz deutlich, die dem Leser eher etwas distanziert, als sich ihn zu greifen. Insgesamt ist es sehr schade, da der Vorgänger sehr lesenswert gewesen ist und die Charakterzeichnung von Rowan Lockhart deutlich gelungener war.

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Worum geht es bei Talisker Blues?

Kieran MacKinnon saß zwanzig Jahre im Gefängnis wegen Mordes an seiner Freundin. Völlig betrunken soll er sie eines Nachts am Strand erstochen  haben, die Beweise sprechen dafür, er kann sich an nichts erinnern.
Jetzt kehrt er zurück in seine Heimat auf die Insel Skye und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Doch bald darauf wird wieder eine Frauenleiche gefunden. Und wie damals liegt eine Whiskyflasche mit Kierans Fingerabdrücken neben ihr …

Die Kritik:

Talisker Blues gehört wieder zu den gelungenen Romanen und reiht sich direkt hinter Singleton Soul ein. Er ist von Anfang an spannend, das Ende ist nicht vorhersehbar und kommt überraschen daher. Der Leser ist bis zum letzten Moment gefesselt und leidet mit Kieran MacKinnon mit. Etwas störend ist jedoch die sich zu rasant entwickelnde Liebesbeziehung zwischen ihm und Catie MacDonald, die an manchen Stellen doch recht kitschig wirkt. Insgesamt ist Talisker Blues aber ein sehr unterhaltsames und lesenswertes Werk, das einen guten Einblick in die Seelen der Inselbewohner vermittelt.

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Fazit:

Mara Laue hat uns mit den drei Krimis tolle Geschichten geliefert, die es in jedem Fall wert sind gelesen zu werden. Auch wenn mich Dalmore Jazz persönlich nicht so sehr überzeugen konnte, ist es keineswegs ein schlechter Roman.







Donnerstag, 8. Januar 2015

Warum in die Ferne schweifen - TEIL 2 - Schwäbischer Highland Whisky | Finch

Es ist etwas her, seit ich den letzten Beitrag über deutschen Whisky geschrieben habe. Ich habe viel zu tun gehabt und mir erst jetzt die nötige Zeit genommen über Finch zu berichten. Schließlich sollte der Anspruch sein, nicht etwas kurz und knapp zu schreiben, sondern sich auf wirklich mit etwas zu beschäftigen. Daher folgt nun Teil 2 über den Schwäbischen Highland Whisky.

Finch - Schwäbischer Highland Whisky

Das Herz und die Leidenschaft für den Whisky von Finch kommen von Hans-Gerhard Fink, der mit seiner Leidenschaft als Brenner sein ganzes Herzblut in den Whisky fließen lässt. Grundlage für die Produktion ist das Getreide, das mit größter Sorgfalt und in bester Albluft heranwächst. Die Schwäbische Alb bietet mit den kargen, steinigen Böden einen besonderen Boden. Behutsam werden Weizen, Gerste und Dinkel geerntet und sorgfältig verarbeitet - für beste Qualität im Glas. Gebrannt wird in Deutschlands größter Pot Still Brennblase. Die Idee Finks ist es nicht irischen, schottischen oder amerikanischen Whisky zu imitieren, sondern einen eigenen neuen Charakter zu entwickeln und so werden weder Vor- noch Nachlauf beim Brennverfahren verwendet. Die Reifung findet dann abschließend mindestens drei Jahre in Eichenfässern von Spitzenweingütern statt, welche dem Whisky seinen besonderen Geschmack verleihen.

Finch Schwäbischer Highland Whisky Classic / 40%

Nun möchte ich zu der Abfüllung kommen, die mir netterweise von Finch zur Verfügung gestellt wurde. Es handelt sich um die Classic-Abfüllung. 2014 mit 40% abgefüllt und 5 Jahre alt. Die Basis sind hier Weizen und Gerstenmalz. Gelagert wurde der Whisky in Wein- und Bourbonfässern.

Ich muss zugeben, dass ich deutschen Whiskys gegenüber immer leicht skeptisch bin, aber habe auch hier versucht ohne eine Meinung vorab an das Tasting zu gehen. Die Farbe ist sehr einladend in Richtung Bernstein gehend. In der Nase findet man schöne aromatische  Noten von Birne und Traubensaft, es gesellen sich süße Toffees dazu. Insgesamt wirkt er sehr mild, obwohl eine ganz leichte Alkoholnote zu vernehmen ist. Im Geschmack ist er süßlich, karamellig und von der Frucht ist nur noch wenig zu spüren. Es kommen Assoziationen von verdünntem Traubensaft hoch. Er bietet eine geiwsse Trockenheit am Gaumen und leichte Eichen-Würze. Zum Abgang hin wird er recht schnell etwas dünn und bleibt nicht sehr lange. Hier spürt man das noch relativ junge Alter und ihm täten mehr als 40% sicherlich gut. Er hat mich dennoch insgesamt positiv überrascht und insbesondere die Nase gefällt mir hier sehr sehr gut. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was wir hier noch in den kommenden Jahren bekommen werden und freue mich auch schon auf andere Abfüllungen von Finch.

Weitere Infos zu Finch Whisky gibt es auf der Website: www.finch-whisky.de

Samstag, 3. Januar 2015

Wie ein Hype entsteht

Immer wieder hört man im Zusammenhang mit Whisky das Wort Hype. Der Begriff Hype ist per definitionem gar nicht so einfach zu bestimmen, wie man es vermutlich denkt. In jedem Fall findet man aber sich deckende Aussagen und das, was oft als Hype tituliert wird, ist eigentlich nicht unbedingt einer. Grundsätzlich steht ein Hype im Zusammenhang mit Werbung. Ein Produkt erfährt eine künstliche und oft übertriebene Aufwertung, ohne dass diese in irgendeiner Weise vorab begründet wird. (Quelle: Spiegel Wissen). Auch der Duden führt an, dass es sich hierbei um “besonders spektakuläre, mitreißende Werbung (die eine euphorische Begeisterung für ein Produkt bewirkt)” handelt.

Zunächst einmal ist für viele Firmen ein Hype etwas, dass man nur bedingt konkret planen kann. Ein Hype entsteht, oft aus einer bestimmten Situation heraus, wird jedoch angetrieben von Menschen, d.h. es ist durchaus möglich ein begünstigendes Umfeld, durch Werbe- und Marketingmaßnahmen zu schaffen. Im Mittelpunkt steht ein Produkt, welches in den Fokus einer Zielgruppe rückt und dadurch besondere Aufmerksamkeit bekommt. Ferner springt dieser Funke dann auch auf Personen über, die oftmals komplett außerhalb dieser Zielgruppe liegen, wodurch die Sache eine außergewöhnliche Bedeutung bekommt. Wie lange dies anhält ist nicht direkt planbar, jedoch haben Unternehmen heutzutage durchaus die Möglichkeit die Weichen durch gezieltes Marketing zu stellen, so dass die Entwicklung und Dauer eines Hypes begünstigt werden – den modernen (sozialen) Medien sei Dank. Nach einiger Zeit kommt dann der Punkt, an dem der Hype schnell abflacht und das Produkt weniger Interesse hervorruft, bis sich zuletzt irgendwann ein normales Maß an Interesse einpendelt, aber weit vom ehemaligen Höhepunkt entfernt. Diesen Zyklus erleben wir oft bei neuen Technologien und das Marktforschungsinstitut Gartner hat den Hype-Zyklus, bezogen auf Technologien in einer Grafik dargestellt (Quelle: Wikipedia). Dieser lässt sich aber auch, wie zuvor beschrieben, in abgewandelter Form auf andere Bereiche übertragen.

Unter Whisky-Liebhabern ist schon lange bekannt, dass es Marken, an dieser Stelle nutze ich den Begriff als Synonym für Destillen, gibt, die es in den letzten Jahren verstanden haben eine bestehende Zielgruppe auszubauen und in gewisser Weise in ihrem Denken und Handeln zu beeinflussen. Der bestehende Markt ist hier, ähnlich wie in anderen Bereichen, unter Global Playern aufgeteilt, die Ihre einzelnen Marken betreuen. Suntory, Beam Global, Pernod Ricard, Diageo und nicht zuletzt LVMH (Louis Vuitton – Moet Hennesy) sind Beispiele der größten Spirituosenhersteller. Es wird hier schnell deutlich, dass das Budget, was in Marketing und Werbung gesteckt werden kann, ungeahnte Größen erreicht.

Hierzu ist im Halbjahresbericht von LVMH zu lesen:
Die Marketing- und Vertriebsausgaben des Konzerns lagen bei 5.483.000.000 Euro. Darin enthalten sind etwa 1.681.000.000 Werbe- und Promotion-Kosten. Natürlich sollte man nicht vergessen, dass zur LVMH mehr als 60 Luxusmarken gehören, aber dennoch verdeutlichen diese Zahlen, was dort wirklich für ein Konzern hintersteht. Ferner heißt es hier, bezogen auf die Whisky-Marken: “Glenmorangie and Ardbeg whiskies (and Belvedere vodka) maintained their solid growth, fuelled by a policy of innovation and the brands’ increasing renown.” Zwischen den Zeilen ist also zu lesen, dass die Marken bewusst stärker gefördert wurden, um die Bekanntheit zu erhöhen. Für die Zukunft heißt es: “Investments in communication will primarily target the regions and market segments that present the greatest potential, be it in the months to come or over the long term.” Wer dies nachlesen möchte, der kann sich den Financial Report unter runterladen.


Da ich mich vorab mit LVMH beschäftigt habe und aus gegebenem Anlass, möchte ich die Entstehung eines kleines Hypes, im Bereich Whisky, am Beispiel der Marke Ardbeg, erst gestern ist hier der Ardbeg Kildalton auf den Markt bekommen und wurde im Vorwege schon heiß diskutiert, beleuchten. Hierbei werde ich mich selbst und mein eigenes (Konsum)Verhalten analysieren und vielleicht stellt ja auch einer von euch fest, dass er sich von Anderen und nicht vom eigenen Denken beeinflussen lässt. Darüber hinaus werde ich weitere Beispiele für Hypes anführen, die aus anderen Bereichen kommen, von denen aber mit Sicherheit der ein oder andere schon einmal gehört hat.

Das Thema Ardbeg ist ein Paradebeispiel, wenn wir uns noch einmal die Definition oben “besonders spektakuläre, mitreißende Werbung, die eine euphorische Begeisterung für ein Produkt bewirkt” ins Gedächtnis rufen. Ich gebe zu, noch nicht allzuviele Drams getrunken zu haben, aber die, die ich probiert habe, waren allesamt lecker, nur nicht wirklich außergewöhnlich (meine Meinung). Betrachtet man nun die Aktionen, die Ardbeg auf die Beine stellt, so muss man sagen, dass hier wirklich viel investiert wird, aber immer auch mit Liebe zum Detail. Angefangen beim Ardbeg-Day - eine Veranstaltung die der gesamten Marke dient, aber auch immer eine neue Abfüllung parat hält. In diesem Jahr hat man sich, und die Steilvorlage war gegeben, die Fußball WM ausgesucht und darauf das Motto für den Auriverdes aufgebaut. So gab es beim Ardbeg-Day auch Matschfußball und auf die Abfüllung bezogen ein angepasstes Flaschenlayout, bzw. Label-Design. Um das ganze kontrollierbar zu gestalten hat man die Karten im Vorfeld auf 400 Stk. limitiert. Eine klassische Strategie aus der Werbung, so gibt eine strenge Limitierung schließlich immer das Gefühl Teil von etwas ganz Besonderem zu sein / etwas ganz Besonderes zu besitzen. Unabhängig davon wage ich zu behaupten, dass man problemlos die dreifache Menge hätte verkaufen können. Aus Berichten über dieses (Werbe)Event erfährt man, dass dies vollkommen gelungen war. Man hat sich von Marketing-Seite aus Gedanken über das Thema gemacht und auch wenn die Abfüllung scheinbar im Vordergrund stand, so hat man es geschafft über Gesellschaft und Kommunikation die Menschen unter der eigenen Marke zusammenzuführen.

Im September gab es dieses Jahr dann die nächste Sensation bzw. Aktion. Da hat man doch tatsächlich vor drei Jahren ein grünes Pülleken in den Orbit gefeuert, um zu schauen, wie sich der Whisky unter den im All herrschenden Bedingungen verändert. Großartig, da wir ja wissen, Whisky ist für die typische Flaschenreifung bekannt. Aber wer weiß, wann man auf die Idee kommt auf dem Mond ein Fasslager zu bauen - wird dann nur nix mit frischer Seeluft. So landete die oben genannte Flasche dann Mitte September wieder auf dem blauen Planeten, irgendwo im Nirgendwo, in Kasachstan. Es wurde eine liebevoll gestaltete Website gelauncht, ein Twittercountdown erstellt und dann war sie da, die neue Sonderabfüllung: Ardbeg Supernova 2014. Pünktlich wurde die Flasche auf einer eigens erstellten Seite dann zum Kauf angeboten, aber nur wer ein Ardbeg-Committee-Mitglied war, durfte kaufen. Hierzu muss man sich lediglich auf der Ardbeg-Seite registrieren, dann bekommt man einen schicken Brief nach Hause, als “Willkommens-Geschenk”. Im Gegenzug dafür bekommt ein riesengroßes Unternehmen meine Daten. Ein mehr als fairer Tausch, oder? Selbst in den Ardbeg-Embassys, offizielle Vertriebspartner von Ardbeg, musste man sich als Committee-Mitglied verifizieren, indem dort ein Log-In via iPad von Nöten war. Die Embassys wurden hierfür extra damit beliefert. Grund der Sache: es sollte nur 1 Flasche pro Person bestellt werden. Die Website lief an dem Tag erstaunlich gut - ich denke, da wurden ein paar Server mehr geschaltet - und die Flaschen waren nach etwa 45 Minuten ausverkauft - hat lange gedauert, diesmal. Auch hier verdeutlicht sich die Idee des “exklusiven” und zu einem ausgewählten Kreis zu gehören, der bestellen/kaufen darf. Dass man mit dem Release des Supernova die ganze Kampagne noch nicht beendet hat, zeigt sich auf der Website “Ardbegsspace”. Hier steht noch bei zwei Kapiteln “Details folgen bald”. Man darf also gespannt sein, was da noch kommt - und auch ich bin es. Um hier noch einmal zur Strategie von LVMH anzuknüpfen: man kann insgesamt sehen, dass bei allen Maßnahmen voll und ganz auf “investments in communications” gesetzt wird.

Am Ende stellt sich jedoch die Frage: was bezweckt man mit solchen großen Kampagnen wirklich? Noch mehr Kunden? Eine neue Zielgruppe? Aufmerksamkeit? Diese Frage ist mit Sicherheit nicht einfach zu beantworten und ich wage mich doch einmal meine Gedanken dazu zu veröffentlichen. In Zeiten von sog. NAS-Whiskys (No Age Statement) ist es durchweg schwieriger geworden seine Abfüllungen ordentlich zu verkaufen. Sicherlich stört es den Normal-Verbraucher kein oder nur ein bisschen, ob auf dem Whisky 12 Jahre oder ein toller Name steht. Und schaut man einmal, wie neue NAS-Whiskys heißen, so findet man immer mehr Namen, die wertig oder besonders klingen (Tomatin Legacy, Laphroaig Select). Der versierte Genießer hingegen gibt sich ungern damit zufrieden, dass der neue Whisky nun kein Alter mehr trägt. Die Möglichkeit diesen doch einfacher zu verkaufen besteht darin, das Produkt dennoch als extrem wertig darzustellen oder eben eine interessante Geschichte zu “erfinden”, die die menschliche Neugier weckt. Da setzt dann schnell der Verstand aus und sagt: „haben wollen zu jedem Preis.“ Schaut man sich die aktuelle Ardbeg-Produktrange an, dann stellt man fest, dass es nur noch eine Abfüllung mit Altersangabe gibt, den Ten. Die restlichen Abfüllungen haben stets interessante Namen, die jedoch allesamt auch eine Bedeutung haben - bei mir hat dies anfangs auf jeden Fall die Neugier geweckt und ich habe daher auch alle bisher probiert.

Spätestens seit Steve Jobs ist deutlich, dass ein spektakuläres Auftreten einer Marke einen Hype begünstigt. Das “one more thing” hat es über die Jahre hinweg geschafft, dass sich das iPhone von Generation zu Generation besser verkauft (siehe Grafik unten) und Menschen Wochen vor Release in der Innenstadt campen um als erster das neue Produkt in den Händen zu halten. Ich bin, als Kind der 90er, mit sämtlichen Spielekonsolen aufgewachsen und bis heute hin ist es jedes Mal das gleiche, wenn eine neue Konsole auf den Markt kommt - dann dreht ein Teil der Leute durch. Die Playstation 4 war bei Release restlos ausverkauft. Insgesamt erleben wir dieses Phänomen deutlich häufiger in der Technikbranche als woanders. Auspassen sollte man jedoch immer zwischen Trend und Hype zu unterscheiden. Da nicht werbegetrieben, ist z.B. veganes Essen ein Trend, eine Gesellschaftsentwicklung. Zusammenfassend kann man sagen, dass moderne Werbe/Marketing-Agenturen heutzutage als Gedankenmanipulator arbeiten. Dies betrifft wahrlich nicht nur die Whiskyindustrie, aber auch hier lassen wir uns zu gerne von außen beeinflussen. Man mag es oft abstreiten, aber jeder, wirklich jeder, ist davon betroffen und in seinem Leben nicht nur einmal deswegen zu einem neuen Produkt gekommen - womöglich vorbestellt oder als erster im Laden. Um im Ideendschungel nicht unterzugehen bedarf es unkonventionelle Methoden, das fängt mit Geschichten und Namen an, geht weiter zum Verpackungsdesign und hört nicht zuletzt bei Veranstaltungen und Release-Partys auf.


Samstag, 31. Mai 2014

Warum in die Ferne schweifen - TEIL 1 - Kleinbrennerei Fitzke

Whisky kommt aus Schottland und nicht von woanders! Diese Meinung vertreten viele Menschen. Aber auch in Deutschland gibt es mittlerweile eine große Anzahl an aktiven Brennereien, die Whisky produzieren. Bei weitem nicht in so großem Ausmaß wie einige schottische Vertreter (schließlich gibt es auch hier kleine Destillen), aber dennoch mit viel Liebe zum Detail und teils herrausragenden Ergebnissen.

In den kommenden Wochen möchte ich euch einige ausgewählte, besondere, Destillen und deren Produkte vorstellen. Vielleicht wecke ich ja das Interesse auch mal diese, teils etwas anderen, Abfüllungen zu probieren.


Kleinbrennerei - Fitzke



Quelle: SWR / Dirk Starke - Website Fitzke

Die erste Destille, die ich vorstellen möchte, liegt im Schwarzwald: es ist die Kleinbrennerei Fitzke. Ich bin vorallem durch die Bewertung in der Whisky Bible 2014 aufmerksam geworden. Jim Muray vergibt hier 96 von 100 Punkten für den Derrina Einkorn Single Grain Whisky. Aber zunächst zum kleinen Unternehmen.
Die Brennerei ist seit 1874 im Familienbesitz und in erster Linie kein Whiskyproduzent. Vorallem die Produktion von Obstbränden und Likören liegt im Vordergrund, was man, zugegebenermaßen, auch im Whisky rausschmecken kann - hierzu später mehr. Das Getreide was für die Produktion verwendet wird stammt aus kontrolliert biologischem Anbau und seit 2004 wird hier Whisky produziert. Und das besondere an den Derrina Whiskys ist, dass nicht nur Gerste, sondern auch Weizen, Roggen, Mais, Dinkel, Grünkern, Kamut, Emmer, Einkorn, Buchweizen, Hafer, Hirse, Reis und Triticale verwendet wird.
Nach dem zweifachen Brennvorgang wird das Rohdestillat dann für ein halbes Jahr in neuen, leicht getoasteten, 30 Liter Fässern aus slowenischer Eiche und anschließend für 2,5 Jahre in eigenen, gebrauchten Fässern der vorherigen Whisky-Sorte, gelagert. Finish-Fässer gibt es nicht, denn der Grundgedanke ist es, die Getreidebrände in reinen Whisky auszubauen. Es wird kein Farbstoff verwendet und beim Heruntersetzen auf Trinkstärke, mittels Schwarzwälder-Quellwasser, nicht kühlgefiltert.
Was dann entsteht, das ist etwas ganz Besonderes und der Leitsatz auf der Website trifft voll und ganz zu:
Unser Ehrgeiz und Ziel ist es, innovative und ganz andere Whiskys als der Rest der Welt herzustellen.


Derrina Einkorn Single Grain Whisky / 43%

Das Sample-Fläschchen


Ich möchte nun natürlich auch den Whisky vorstellen, der die grandiosen 96 / 100 Punkten erhalten hat und ich nehme gerne vorweg: er schmeckt großartig. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Herrn Fitzke für das Sample Fläschchen!
Ich bin zunächst unvoreingenommen ans Tasting gegangen und habe mich davon freigemacht, ihn direkt mit einem Single Malt oder selbst mit einem traditionellen Single Grain zu vergleichen. Nachdem ich ihn ins Glas gefüllt hatte fiel mir die recht helle, leicht goldene Farbe auf. Schwenkt man ihn im Glas, kann man durchaus die leichte Schlierenbildung beobachten. In der Nase macht sich zunächst etwas strenges breit, erinnerte mich an Modellbaukleber, aber sehr angenehm und es folgen leichte Noten von Zitrus und dazu eine gewisse Süße. Auf der Zunge spürt man eine leichte Schärfe, aber im selben Atemzug auch eine Weichheit, die eindeutig auf das Brennverfahren zurückgeht. Hier findet man schnell Parallelen zu Obstbränden und ganz eindeutig Vodka. Ein bisschen Wachholder, etwas Gin-ähnlich und ein Hauch Kirsche legen sich sanft in die Mundhöhle. Die Weichheit wandelt sich in Süße, leicht wie Honig oder eine Art weiches Karamellbonbon. Dies zieht sich auch in das Finish hinein und der Abgang ist angenehm. Es kommen leichte Noten von Kaffee/Espresso hinzu und insgesamt ist der Abgang schön lange und nachhaltig.

Ich persönlich zähle diesen Whisky zu den absoluten Top-Kandidaten die ich bisher probiert habe. Er ist in jedem Falle anders, aber besonders, etwas ungewöhnlich, aber nicht zu komplex, sondern eher etwas verspielt. Für Rauch-Enthusiasten fehlt hier sprichwörtlich der Dampf, jemand der eine Sherry-Süße erwartet, wird hier enttäuscht. Ich mag hier auch keine Vergleiche anführen, da ich hier schlichtweg nichts passendes finde, was diesem edlen Tropfen nahekommt.

Mehr Infos gibt es natürlich auf der Website (dort habe ich auch die Infos her):
Kleinbrennerei Fitzke








Montag, 12. Mai 2014

Laphroaig Select - der neue NAS


Vor kurzem bekam ich Post von Laphroaig mit einem kleinen Sample des neuen Laphroaig Select. Einige von euch werden sicherlich davon schon gehört haben und ich möchte heute einmal, in einer etwas anderen Form, beschreiben, wie diese neue Abfüllung schmeckt und vielleicht wecke ich ja bei einigen auch den Wunsch diesen neuen Islay-Whisky zu probieren.





Am Morgen...

Ich bin früh aufgestanden, damit ich den Sonnenaufgang miterleben kann. Und kaum erscheint die Sonne am Horizont, wärmen mich die goldenen Strahlen. Sie leuchtet heute ganz ungewöhnlich, ganz ohne Rotstich. Ich mache mich auf den Weg und hoffe eine herrliche Wandertour vor mir zu haben.

Der Ausflug...

Seit einigen Stunden bin ich nun unterwegs an der Steilküste und ich kann das Lagerfeuer, dass unten am Strand lodert, in der salzigen Luft riechen. Ich beschließe mich zu setzen. Es hat am Vortag geregnet und das nasse Moos duftet kräftig, leicht moderig. Während ich pausiere, nehme ich etwas Proviant zu mir. Dieses herrlich hönigsüße Gebäck mit Orangenfüllung. Ich breche wieder auf und mache mich auf den Rückweg

...wieder Zuhause...

Als ich nach dem langen Marsch nach Hause komme rieche ich den nassen Torf, der unter meinen Schuhen klebt. Es duftet nach frischem Vanille-Pudding und ich beschließe etwas zu lesen. Mein altes Lieblingsbuch, mit diesem unverwechselbaren Geruch von altem Papier im Ledereinband. Und während ich in meine Traumwelt flüchte weht von draußen die salzige Luft durch den Fensterspalt.

...auf dem Weg ins Bett.

Ich resümiere den Tag, der insgesamt nicht so anstrengend war, wie zunächst vermutet. Im Gegenteil, ich merke meine Beine kaum und meine Haare riechen nur noch leicht nach dem Feuer. Die Süße der Zahnpasta ist auch schon fast verschwunden und zufrieden lege ich mich ins Bett, aber frage mich zugleich, ob ich heute hätte noch mehr unternehmen können. Bereits mit 10 Jahren habe ich deutlich längere Touren unternommen, aber für Unerfahrene wäre dies sicherlich eine Überlegung wert und für knapp 30€ bekommt man genug Verpflegung für den ganzen Tag.



Montag, 28. April 2014

Whisky und Schokolade

Nachdem mein letzter Artikel etwas länger her ist, möchte ich euch gerne eine kleine Anregung für das nächste Whisky-Tasting vorstellen. Die Überschrift lässt es bereits vermuten, es geht hier um Whisky und Schokolade.

Ich bin selbst vor einiger Zeit über dieses Thema gestoßen und habe nun selbst probiert, wie gut dies beides zusammenpasst und ich muss gestehen, hervorragend. Aber bei der Auswahl an Whiskys und auch Schokolade ist es keinesfalls einfach sich zu entscheiden. Ich stand im ausgewählten Fachhandel vor dem Schokoladenregal und war zunächst überfordert. Mir war von vorneherein klar, dass es weder die Lila Kuh, noch quadratisch, praktisch, gut werden sollte. Vielmehr habe ich mich bei den Edelschokoladen umgesehen und auch hier kann max sehr schnell, sehr viel Geld loswerden. Für den Einstieg habe ich mich entschieden drei verschiedene Sorten zu kaufen. Eine herbe Schokolade mit ca. 55% Kako-Anteil, eine etwas stärkere mit 77% und Orangen-Aroma und zuletzt für 90% Kakao. Die Auswahl ist so groß, dass ich hätte viel mehr besorgen können, doch welche Ideen mir gekommen sind, dazu später mehr.

Welcher Whsiky zur Schokolade?

Den richtigen Whisky zur Schokolade zu finden, da bin ich ehrlich, ist nicht einfach und es gibt hier absolut kein falsch und kein richtig. Man sollte sich im Klaren sein, dass hoher Kakaoanteil auch eine enorme Bitterkeit mit sich bringt und daher ergeben sich interessante Varianten: 90% Kakao + Laphroaig 10 Jahre ergeben eine bombastische Mischung. Aber ebenso kann es interessant sein etwas mehr Sherry zu wählen, wie z.B. einen Bushmills 16 Jahre. Der Fantasie sind absolut keine Grenzen gesetzt und es gilt hier seine eigene favorisierte Kombination rauszufinden.

Tasting, aber wie?

Wie genau man nun Schokolade zum Whisky kombiniert ist auch eine ganz eigene Sache. Ich empfehle zunächst ein Stück Schokolade zu verkosten. Dieses dabei auf der Zunge zergehen lassen und den sanften Schmelz spüren. Feine Geschmacksnuancen herausfiltern und spüren wie sich die Bitterkeit und der Kakao entfalten. Dabei kann man ruhig mal am Glas riechen und spüren, wie sich die Aromen verändern. Erst nach der Schokolade, wenn diese gänzlich aus dem Mund verschwunden ist, den Whisky probieren. Und dann wird man merken, wie die Geschmacksnerven, zuvor durch die Bitterkeit belastet, ganz neue Wahrnehmungen offenbaren.

Schokolade und Whisky parallel zu verkosten, reizt zwar, aber geschmacklich wird es hier einfach zu komplex und verwirrend. Persönlich gefällt mir dies nicht.

Ideen zum verkosten...

Während des Verkostens sind mir viele weitere Ideen gekommen. Weiße Schokolade + Bourbon, Schokolade mit Salz + Talisker, Kirschschokolade + Glenfarclas aus dem Oloroso-Fass. Sollte jemand weitere spannende Ideen haben, so lass ich mich gerne inspirieren und vielleicht ließe sich auch mal ein entsprechendes Tasting veröffentlichen.

In diesem Sinne: schönes Experimentieren!